Nur ein winziger Mosaikstein in der Rolle, die die Deutsche Reichsbahn im unseligen II. Weltkrieg spielte, der ohne sie wohl nicht denkbar gewesen wäre:
Mit Anbruch des Winters 1941/42 wurde reichsweit eine "Wollsammlung" für die Truppen an der Ostfront durchgeführt. Die Itzehoer Sammelergebnisse werden auf dem vorstehenden Bild gerade von Wehrmachtssoldaten in einen auf Gleis 44 stehenden G10-Wagen verladen. Für das Foto haben sich Vertreter von Wehrmacht und Partei daneben werbewirksam aufgestellt ... .

Foto: Slg. Kreis- und Stadtarchiv Itzehoe

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Gut 40 Jahre später an derselben Stelle: Die Deutsche Bundespost be- oder entlädt Postgut am Freiladeteil des Gleises 44. Im Feiertagsverkehr, insbesondere in den Adventswochen, fertigte die Post Päckchen und Pakete waggonweise ab, eine Vielzahl dieser Sendungen gingen in die "Ostzone". Nachdem der Eilgut-Stückverkehr eingestellt worden war, hatte die Deutsche Bundepost den Eilgut-Schuppen am Gleis 44 angemietet und unterhielt dort bis in die 1980´er Jahre hinein ihre sogenannte "Bahnhofs-Dienststelle". Eingangs-Postwagen, zum Teil mit Sortierkräften der Post besetzt, trafen in den sehr frühen Morgenstunden mit einem Expressgut-Zug ein. Nachdem das DB-Expressgut - nicht selten 10 - 12 Bahnsteigkarren - am Bahnsteig ausgeladen war, wurden die Postwagen am ehem. Eilgut-Schuppen zur Entladung durch die Post bereitgestellt.

Foto: Slg. Stehr

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Im Jahre 1942 waren auch bei der Deutsche Reichsbahn bereits viele Arbeitsplätze durch Frauen besetzt; die Männer waren im Kriegseinsatz. Lediglich Arbeitsplätze, die große körperliche Kraft erforderten (z.B. Lokomotivführer und -heizer, aber auch Lade- und Werkstattpersonal) mussten noch mit männlichen Arbeitskräften besetzt werden. Links die Mitarbeiterinnen der Abfertigung (von links) Frau Grümmert, Frau Piepenbrink und Frau Springer, ganz rechts als "Stift" Hermann Sandkamp.

Foto: Slg. Laursen

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Eine Szene aus dem Betrieb der Güterabfertigung Itzehoe, wie sie sich täglich -zigfach wiederholte: der "Bahnamtliche Rollfuhrunternehmer" liefert im Jahre 1949 eine Sendung Stückgut an der Annahmeluke auf. Der Annahmebeamte (Hase) prüft anhand des Frachtbriefes, ob dieser mit den Angaben auf dem Aufkleber auf der Kiste übereinstimmen. Der Güterbodenarbeiter (H. Kolodzej) wird die Sendung danach auf die Sackkarre nehmen, Handarbeit war bis zuletzt wesentlicher Bestandteil des Stückgutladedienstes. Dann geht es zunächst zur Waage, dort wird das Gut gewogen, das Gewicht im Frachtbrief vermerkt und das Gut anschließend in den "Umladewagen" auf der Gleisseite des Güterschuppens verladen. Die Güterabfertigung Itzehoe bildete in der Regel täglich mindestens 4 Umlade-wagen, von denen jeweils 2 auf die Umladestelle Hamburg-Altona und einer auf Göttingen liefen. Die Bildung und der Lauf der Stückgutwagen waren im "Beförderungsbuch" vorgegeben.

Foto: Slg. Neumann

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Die "Gegenseite": aus dem Stückgutsortswagen wird Stückgut ausgeladen. Der Lademeister vergleicht die Sendungsdaten mit dem Frachtbrief und benennt dem Güterbodenarbeiter den Platz (der gesamte Güterschuppen war in "Plätze" unterteilt) zu, an dem er die Sendung zu lagern hat.
Anschließend ging der Frachtbrief in die Abfertigung, wurde gebucht, die Sendung wurde "avisiert" (der Empfänger wurde benachrichtigt) und der gebuchte Frachtbrief am Güterschalter bereitgelegt. Dort konnte der Empfänger ihn dann nach Zahlung der berechneten Kosten entgegennehmen und die Sendung anschließend an der Ausgabeluke in Empfang nehmen.


Von links: Güldner, Kolodzej, Brand

Foto: Slg. Stolley

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Innenansicht der Güterhalle ("Güterschuppen") der Ga Itzehoe im Jahre 1949. Architektonisch fällt die Spannbetonkonstruktion ins Auge. Bei den Stückgütern überwiegen A-, B- und C-Behälter. Das "Häuschen" ganz links im Bild ist der Arbeitsplatz des Annahmebeamten.

Foto: Slg. Ott

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"Ermittlungsbeamter" W. Gollnik im Jahre 1949 am Lagerplatz für überzählige Güter. Das waren Beförderungsgüter, bei denen die zugehörigen Frachtpapiere noch nicht eingetroffen waren (das Gegenteil waren "fehlende Güter": hier lagen zunächst nur die Papiere vor).
Ordnungsgemäß ist mit Kreide die Meldebuchnummer ("MB") auf jedem Ermittlungsgut vermerkt.
Der Arbeitsplatz, zu dessen Aufgaben die Zusammenführung solcher Fehlsendungen, aber auch die Aufnahme von Beschädigungen am Transportgut gehörte, hieß "Ermittlung".

Foto: Slg. Ott

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Als im Jahre 1956 die Bonifatiuskirche in Schenefeld neuen Glocken erhielt, kamen diese - in der damaligen Zeit fast selbstverständlich - als Stückgut auf der Itzehoer Güterabfertigung an.
Was irgendwie ging, wurde mit der Bahn verschickt, wie auch sonst.
Nach dem Slogan "Geht nicht - gibt´s nicht" , welcher erst viel später für neuzeitliche Marketing-Programme erfunden wurde, handelte man, wie man sieht, auch schon vorher und ohne viel Aufhebens.

Foto: Slg. Boie

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Entladung eines Militärzuges der dänischen Besatzungstruppen an der Rampenanlage (Gleise 20 - 23) wohl im Jahre 1951. Insgesamt standen dort 2 Seitenrampen- und 3 Kopframpengleise zur Verfügung. Itzehoe war Garnisonsstadt, insofern wurden über diese Anlagen mehrfach im Jahr umfangreiche Miltärtransporte abgewickelt. Aber auch die großen Zirkusse, wie Krone, Althoff, Sarasani u.a. ent- und verluden ihre rollenden Städte im Rahmen ihrer Gastspiele bis etwa Ende der 80 ´er Jahre hier. In der Regel gastierten im Jahr mindestens 2 dieser Unternehmen in Itzehoe.

Foto: Slg. Ott

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Seite 220 aus dem "Basa-Sprechstellenverzeichnis der Bundesbahndirektion Hamburg" aus dem Jahre 1968. Außer den hier wichtigen Sprechstellen der Güterabfertigung sind solche des technischen Dienstes sowie der Bw-Außenstelle aufgeführt.

Foto: Slg. Neumann

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Ein Bild, das der Betrachter vielleicht eher als betriebliche Szene auf der Seite des Bahnhofs suchen würde. Dennoch ist es ganz bewußt hier eingeordnet, zeigt es doch recht deutlich, welchen Stellenwert der Einzelwagenlauf - und damit der Schwerpunkt des Schienengüterverkehrs - noch Anfang der 1970´er einnahm.
Hier verläßt solch ein Nahgüterzug mit der seinerzeit üblichen bunten Mischung an beladenen E-, G- und K-Wagen (selbst ein G 10 ist noch mit von der Partie !) im Sommer 1970 Itzehoe in Richtung Heide (Holstein).

Foto: Slg. Butenschön

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Pause an der Annahmeluke der Güterabfertigung Itzehoe, vom Schuppeninneren aus gesehen.m Jahre 1980 nach der Mittagspause auf den nachmittäglichen Höhepunkt der Auflieferung, welche in erster Linie von den verschiedenen Rollfuhrunternehmern wie z.B. den Firmen Friedrich, Kohlmetz, Kruse ausgefüllt wurde. Diese kamen zuweilen erst eine halbe Stunde vor Annahmeschluß um 17.00 mit einem vollbeladenen Lkw aus der "Fläche". Dann herrschte in der Abfertigung und auf dem Schuppen noch einmal Hochbetrieb.

Foto: Slg. Stolley

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Wesentliche Aufgabe der Güterabfertigung war neben dem Stückgut die Abwicklung des Wagenladungsverkehrs. Im "Wagendienst" wurde aus den Informationen der Wagenkontrollbücher des Bezirks der Bestand des laufenden Tagen und den Bestellungen der Kunden der Bedarf des kommenden Tages für die jeweiligen Wagengattungen ermittelt. Die Ergebnisse übermittelte der "Wagendienstbeamte" (so war er in der Güterabfertigungsvorschrift bezeichnet) bis mittags dem Wagenbüro der Bundesbahndirektion Hamburg. Dort wurde der überörtliche Ausgleich festgelegt und dem örtlichen Wagendienst mitgeteilt, welche Wagen er abzugeben bzw. welche Wagen er im Zulauf zu erwarten hatte. Aufgrund der Abgabeverfügung erstellte der Wagendienstbeamte sodann den täglichen Auftragszettel für den Rangierdienst; dieser sorgte für die Abfuhr der abzugebenden Güterwagen mit den Ausgabngsgüterzügen. Die entsprechenden Wagen waren zuvor vom "äußeren Wagendienst" entsprechend bezettelt worden. Links im Wagendienst: Ernst-Otto Laursen (li) als Wagendienstbeamter und Fritz Schmidt als Mitarbeiter des äußeren Wagendienstes wohl um 1980.

Foto: Slg. Laursen

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Außenansicht der Güterabfertigung Itzehoe von der Zufuhrstraße ...

Foto: Slg. Ott

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... und von der Gleisseite aus im Winter 1984.

Foto: Slg. Ott

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Güterabfertigung - wie hast Du Dich verändert ?
Seit dem Jahre 2011 steht ein Verbrauchermarkt am ehemaligen Standort der Güterabfertigung; das Bild wurde im Jahre 2012 in etwa aus gleicher Perspektive wie das vorhergehende aufgenommen.
Das Gleis 19 ist zurückgebaut, dort befindet sich heute der grüne Stabstahlzaun. Zwischen den Gleisen 17 und 18 befindet sich noch das funktionslose Wiegehäuschen.

Foto: Slg. Bauermeister

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Eine Teilansicht des Gebäudes der Güterabfertigung, bereits nach ihrer Stilllegung Anfang der 90´er Jahre. Im Ziegelbereich war ehemals die Abfertigung (hinter dem ersten Fenster neben der Tür war der Wagendienst untergebracht, das nächste Fenster gehörte zum Büro des Dienststellenleiters) untergebracht, links (grau) schloß sich der Güterschuppen an. Die erste blaue Schiebetür war die Annahmeluke (siehe auch vorige Bilder).

Foto: Slg. Stolley

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Für den Transport von losem Zement (zunächst von der Alsen´schen Zementfabrik, später von Alsen-Breitenburg) waren seit den fünfziger Jahren stets einige Behälterwagen - zunächst Ucs-, später Lbs-Wagen - bei der Güterabfertigung Itzehoe beheimatet; sie waren jedoch keine Privatwagen des Versenders. Die Wagen liefen im Lastlauf in festen Beförderungsplänen. Eine jahrelange derartige Verbindung lief nach Keitum (Sylt) - Firma Maron -. Dieser Wagen wurde teilweise sogar als Schlußläufer in Personenzügen befördert.

Foto: Slg. Neumann

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Abbruch der Güterhalle im Jahre 2005. Eine 90-jährige Ara geht zu Ende. Die Ladestrassen 1 und 2 sowie die Gleise 20 - 24 sind bereits zurückgebaut. Eine Abfertigung von Einzelwagen von und nach Itzehoe ist nach über 125 Jahren dauerhaft nicht mehr möglich.

Foto Slg. Laursen

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Der ehemalige Standort der Güterabfertigung Itzehoe im Bereich "Leuenkamp" an der neuen Straße "Rothenbrook" im Jahre 2007. Vom Güterschuppen ist nichts mehr zu sehen; das Gebäude befand sich bis etwa 2002 zwischen dem Schild "Zufahrt zur DB" und dem "Aldi"-Verbrauchermarkt. Rechts im Bild neben dem Lampenmast ist das Bedienerhäuschen der ehe-maligen Gleiswaage zu sehen.

Foto: Slg. Bauermeister

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Ein Blick in´s Innere der Fahrkartenausgabe Itzehoe wohl vor 1965. Die Fahrkartenausgabe bestand zu dieser Zeit aus 2 Schaltern sowie der "Auskunft".
Bezeichnend ist der "Schrankschalter" hinter der Mitarbeiterin (A. Kippert) zum Verkauf von fertiggedruckten Edmon-son´schen Fahrkarten.
Daneben ist aber auch schon ein Fahrkartendruckautomat zu sehen.

Foto: Slg. Bauermeister

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Einige Edmonson´schen Fahrkarten aus dem Schrankschalter der Fahrkartenausgabe Itzehoe. Interessant sicherlich der "Übergang" von der III. in die II. Wagenklasse in der Mitte.
Die Fahrkarten waren seinerzeit an der "Sperre" vorzuzeigen und wurden dort erstmalig kontrolliert, umgekehrt waren sie bei Ende der Reise dort abzugeben. Das Betreten oder Verlassen der Bahnsteige ohne gültigen Fahrausweis war nicht zulässig.
Die "Bahnhofsschaffner" an der Sperre gehörten zum Personal des Bahnhofs Itzehoe.

Fahrkarten: Slg. Neumann

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Die Gepäckabfertigung im Bahnhofsgebäude war Abteilung der Güterabfertigung. Hier posieren im Jahre 1963 zwei Mitarbeiter des Ladedienstes (von links: Stolley, Wied) in den Räumen der Gepa vor der Elektrokarre. Die Gepäckabfertigung Itzehoe hatte 2 "E-Karren" zur Bedienung der Reisezüge mit ladedienstlichen Aufgaben.

Foto: Slg. Stolley

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So sahen die Bahnsteige im Jahre 1955 aus. Nur im Bereich der Bahnsteigkanten war eine Pflasterung mit Granitkleinpflaster vorhanden, der mittlere Bereich war unbefestigte Kiesschicht. Beachtenswert auch die fehlende "Bahnsteigmöblierung".
Bei der Elektrokarre handelt es sich um einen damals weit verbreiteten "Fußlenker".

Foto: Slg. Stolley

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Ein (weiteres) Bild der Bahnsteige 1 und 2, ebenfalls um 1955 aus Richtung Hausbahnsteig/Empfangsgebäude gesehen. Charakteristisch die Bahnsteig-dächer sowie die Kiosk- bzw. (beheizten !) Warteraumgebäude auf beiden Bahnsteigen (vielleicht wurde Kundenservice doch nicht erst von der DB AG erfunden ?).
Die Lautsprecheranlage für Informationsdurchsagen wurde im Jahre 1959 installiert, ist auf dem Bild also noch nicht zu sehen.

Foto: Slg. Kreis- und Stadtarchiv Itzehoe

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Im Jahre 1960 nahm die Deutsche Bundesbahn am Festumzug der Stadt Itzehoe anläßlich der 1150-Jahrfeier der Stadtgründung teil. Hier brechen die Mitarbeiter zum Umzugssammelpunkt auf.
Interessant ist das Bild auch deshalb, weil im Hintergrund die Eilgüterabfertigung(vorn der Büroteil) zu sehen ist. Die Waggons auf der anderen Seite (Gleis 44) lassen erkennen, daß sie noch in Betrieb war.

Foto: Slg. Stolley

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Gegenstand der baulichen Umgestaltung der Bahnhofshalle im Jahre 1998 war in erster Linie die Schaffung eines zeitgemäßen und begehbaren Reisezentrums. Der Kunde steht nicht mehr in der zugigen Bahnhofshalle vor dem Schalter, sondern wird in einem hellen, freundlich gestalteten Verkaufsraum an einzelnen Countern individuell bedient.

Foto: Slg. Bauermeister

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Allerdings ist gleichzeitig auch der unpersönliche Fahrkartenautomat in den Bahnhof Itzehoe eingezogen. Gerade für ältere Kunden gibt es bei der Bedienung oftmals Schwierigkeiten, zumal Fahrausweise des Nahverkehrs nur noch über den Automaten verkauft werden sollen.

Foto: Slg. Bauermeister

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