Wer meint, das Rangieren bei der Eisenbahn besteht nur aus dem mehr oder weniger willkürlichen Hin- und Herfahren von Wagen oder Lokomotiven, der irrt. Vielmehr lag dem Rangierdienst - zumindest bei der „alten“ Bundesbahn - , eine detaillierte Planung zugrunde:

  1. Aufgrund des Fahrplans stellte der Dienststellenvorsteher des Bahnhofs zu jedem Fahrplanwechsel einen bildlichen Rangierplan auf. In ihm waren sämtliche zu behandelnden Züge mit den anfallenden Arbeiten sowie die Zusatzanlagen (z.B. Gleisanschlüsse, Ladestellen) enthalten. Der Rangierplan war die Grundlage für die wirtschaftliche Bemessung der „Rangiermittel“ (Rangierpersonal und -lokomotiven).

  2. Aus dem Rangierplan resultierte der Rangierarbeitsplan. In ihm waren in tabellarischer Form in zeitlicher Reihenfolge die einzelnen Arbeiten für die jeweiligen Mitarbeiter oder Kolonnen aufgeführt.

  3. Weiterhin war der Rangierplan die Grundlage für den Bahnhofsbedienungsplan, in dem allen örtlichen Stellen mitgeteilt wurde, wann „ihre“ Ladestelle(n) planmäßig bedient, d.h. Wagen zugeführt und abgeholt werden sollten.

  4. Anhand des Bahnhofsbedienungsplanes wiederum stellte der Vorsteher der Güterabfertigung dann den Ladefristenplan auf, welcher den Kunden insbesondere im Wagenladungsverkehr durch Aushang bekannt gegeben wurde. Der Ladefristenplan hatte tariflichen Charakter, anhand seiner Vorgaben konnte die Einhaltung bzw. die evtl. Überschreitung der Ladefrist durch den Kunden ermittelt werden, welche dann der Wagenstandgeldberechnung diente..

Im Jahre 1950 waren vorübergehend einige Maschinen der Dampflok-Baureihe 86 im Rangierdienst eingesetzt; hier setzt Rangierleiter Finkheiser mit einer dieser Loks gerade auf dem Nordende einen leeren Kesselwagen nach Gleis 7. Die Ära der Dampfloks dauerte im Rangierdienst noch bis Anfang der 60´er Jahre: Lokomotiven der Baureihen 57, 74, 89 und 91, für Sonderleistungen wie Bau-, Zirkus- und Militärzüge auch immer wieder solche der BR 50, kamen zum Einsatz.

Foto: Slg. Ott

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Itzehoer Rangierkolonne im Nachtdienst, wohl vor 1960:

hinten (von links) Möller, Borze, Kock, Biller; vorn Jakubowski.

Signalpfeife, Handlampe und der allgegenwärtige Rangierknüppel gehörten damals noch zum Handwerkszeug des Rangierers.

Foto: Slg. Ott

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Auf dem „Nordende“ wurden die Weichen vom mechanischen Rangierstellwerk „Ir“ aus bedient, was insbesondere im Ablaufbetrieb eine zeit- und personalsparende Lösung darstellte.

Anfangs während der Betriebszeiten ständig von einem Mitarbeiter des einfachen Stellwerksdienstes besetzt, war zum Schluß das Rangierpersonal selbst für die Stellwerksbedienung zuständig.

Das Stellwerk wurde im Jahre 1911 in Betrieb, im Jahre 2004 außer Betrieb genommen und im Jahre 2008 abgebrochen. hinten (von links) Möller, Borze, Kock, Biller; vorn Jakubowski.

Foto oben: Slg. Janke / Foto links: Slg.Bauermeister

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In den sechziger bis Anfang der siebziger Jahre wurde der schwerere Rangierdienst mit einer Lok der BR 36 (Bw Husum) durchgeführt; für leichtere Lasten stand zusätzlich ein „Plätteisen“ (Köf II) zur Verfügung.
Die unverwüstliche V 36, eine ehemalige Wehrmachtslokomotive, hatte zu dieser Zeit bereits rund 30 Betriebsjahre auf dem Buckel.

Foto: Slg. Philipp

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Links:Bedienung der Eilgutabfertigung (Gleis 44) im Jahre 1964.
Rangierleiter ist Kurt Borze.

Foto: Slg. Stolley

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Rangierleistungen, für die der Einsatz der örtlichen Rangierlokomotiven unzweckmäßig war, wurden mit den Zuglokomotiven des jeweiligen Zuges ausgeführt. Diese Leistungen hatte der Bahnhof im Zuge der Rangierplanung beim zuständigen Bw anzumelden, welches sie dann entsprechend in die Lauf- und Dienstpläne einarbeitete.

Hier werden im Jahre 1970 mit der Zuglok des Ng 17744 (Eidelstedt - Husum) die Itzehoer Frachten von Gleis 6 zum „Hof“ umgesetzt; anschließend werden die abgehenden „Norden-Frachten“ wieder an der Spitze zugestellt werden. Hierbei handelte es sich zumeist um Silowagen mit Zement für Keitum.

Rechts im Bild der Ablaufberg mit dem elektrischen Abdrücksignal. Die Tatsache, daß es sich hierbei um den einzigen Ablaufberg auf der Marschbahn handelte, zeigt die Bedeutung, die dem Bahnhof Itzehoe bei der Bildung und Auflösung von Güterzügen seinerzeit zukam.

Foto: Slg. Butenschön

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Neben der rangierdienstlichen Behandlung der Güterzüge und der Bedienung der Zusatzanlagen stellte auch die Rangierleitertätigkeit bei der Bereitstellung und Abräumung von Reisezügen einen nicht ganz unwesentlichen Bestandteil des Personalbedarfs des Itzehoer Rangierpersonals dar. Auch die Triebwagen von und nach Wrist bzw. Brunsbüttel waren jeweils durch einen Rangierleiter ein- und umzusetzen.

Hier schickt sich Rangierleiter Koll im Jahre 1979 gerade an, einen von Brunsbüttel eingefahrenen Triebwagen von Gleis 4 über das Südende nach Gleis 2 umzusetzen.

Foto: Slg. Butenschön

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Die deutliche Vergrößerung des auswärtigen Bedienungsbereichs Anfang der 80´er Jahre (insbes. Glückstadt, Brunsbüttel, St. Michaelisdonn) sowie auch die Bedienung bestimmter, zuvor lokführerbedienter Lokomotivbaureihen durch das Rangierpersonal führte zu einer Personalmehrung im Rangierdienst. Teilweise betrug der Personalbestand allein in diesem Dienstzweig weit über 30 Mitarbeiter !

In der „Rangierbude“ wurde es allmählich eng. Hier - von links - die Mitarbeiter Berger (Rangiermeister), Engel (Rangierobermeister) und Mohr (Rangierlokfahrer) wohl um 1985.

Foto: Slg. Jahnke

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Es lag in der Natur der Sache, daß immer mal wieder „auf dem Sommerweg“ gefahren wurde. Diese Unfälle, bei denen in aller Regel niemand verletzt wurde, der Sachschaden jedoch zuweilen erheblich war, waren zumeist auf menschliche Fehlhandlungen zurückzuführen.

Sie waren von der Dienststelle nach der „Betriebsunfallvorschrift“ zu untersuchen und den vorgesetzten Stellen zu melden; selten jedoch hatte der Unfall für den ermittelten Verursacher nennenswerte Konsequenzen.

Hier ein Rangierunfall im Bezirk „Ir“ im Mai 1987 aufgrund unzeitiger Weichenbedienung.

Foto: Slg. Ott

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Hier - etwa Mitte der 1950´er Jahre - war der "Haufen" doch etwas größer. Sogar die Hauptgleise Richtung Wilster waren durch den Unfall längere Zeit blockiert. Den vielen Schaulustigen auf der Brücke wurde mit den Aufräumarbeiten die Möglichkeit kostenloser mehrstündiger Unterhaltung geboten, die sie in Zeiten, als deutlich weniger als eine Million Bundesbürger einen Fernseher besaßen, sicherlich gern wahrgenommen haben.

Foto: Slg. Kreis- und Stadtarchiv Itzehoe

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Hier hat sich die Köf II eines Arbeitszuges wohl um 1968 bei Arbeiten im Bw auf Abwege begeben; die eingedrückte Führerhausseite deutet auf eine Flankenfahrt hin. Der vermutlich zum Arbeitszug gehörende Dieselkran hat sich der Sache praktischerweise bereits angenommen.

Eine Reihe von „Zaungästen“ fanden sich bei derartigen Gelegenheiten immer gern und schnell ein; an Ratschlägen zur Aufgleisung oder bei der Behebung der Unfallfolgen mangelte es dann selten.

Foto: Slg. Wunsch

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Die Kleinlok - im Itzehoer Eisenbahnerjargon das „Plätteisen“ - war bereits seit den 70´er Jahren in Itzehoe im Einsatz. Hier die 335 für ferngesteuerten Betrieb wohl um 1998 auf Gleis 16.

Das Schuppengleis 19 ist bereits teilweise zurückgebaut, die Güterabfertigung (ganz rechts) steht noch !

Foto: Slg. Bauermeister

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Das vorläufige Ende der Itzehoer Rangierlokentwicklung stellen derzeit Diesellokomotiven der BR 295 (z.T. mit automatischer Kupplung, wie hier auf dem Bild) dar. In Itzehoe selbst sind außer der Tankanlage keine Zusatzanlagen mehr zu bedienen; der Rangierdienst beschränkt sich auf die Bedienung des auswärtigen Bereichs.Bedient werden diese Lokomotiven durch den „Lokrangierführer“, d.h. Triebfahrzeugführer und Rangierleiter sind ein- und dieselbe Person.

Foto: Slg. Bauermeister

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... nicht immer, aber immer öfter nur noch gähnende Leere auf den Itzehoer Rangiergleisen, wie hier im Jahre 2009.

Der Einzelwagenlauf, früher eindeutiger Schwerpunkt im Rangierbetrieb, ist so gut wie ganz weggefallen. Nur Ganzzüge von und nach Brunsbüttel und Hemmingstedt (fast ausschließlich Kessel- und Schüttgutwagen) werden zum Umspannen und zur wagentechnischen Untersuchung, jedoch ohne rangierdienstliche Behandlung, noch kurzzeitig in Itzehoe abgestellt.

Ein Teil der Richtungs- und Abstellgleise ist bereits durch Rückbau der Zugangsweichen außer Betrieb.

Foto: Slg. Bauermeister

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